Triumphale Morde

 

Der Theater-Projektkurs des Grillo-Gymnasiums führte „Arsen und Spitzenhäubchen“ auf.

Preisfrage: Wer hat im Zweifelsfalle mehr Menschen umgebracht - der kantige Fiesling Jonathan, der schon als Kind gerne Regenwürmer mit den Zähnen zerteilte oder seine beiden putzig-liebenswerten Tantchen Abby und Martha, die sich wohltätig in der Kirchengemeinde betätigen und vereinsamte Mitmenschen zum Nachmittagstee einladen? - Klarer Fall: Die Tantchen natürlich! (Auch wenn über die tatsächliche Zahl der Opfer noch ein Wettstreit auszubrechen droht . . .). Abby und Martha lieben ihre Mitmenschen nämlich viel zu sehr, als dass sie deren oft bedauernswerte Schicksale nicht im Handumdrehen durch ein Gläschen vergifteten Weins beenden und die Verblichenen im eigenen Keller zur letzten Ruhe betten würden – unter Mithilfe ihres geistig verwirrten Neffen Teddy, der eine Grube nach der anderen dafür aushebt. Als ihr zweiter Neffe Mortimer, feingeistiger Gentleman und Theaterkritiker von Beruf, eines Tages über eine noch nicht verscharrte Leiche im Wohnzimmer seiner Tanten stolpert und zu allem Überfluss Neffe Nummer drei, der höchst reizbare und leicht gewalttätige Jonathan nach vielen Jahren (und nun als mehrfacher Mörder auf der Flucht) im Haus der Tanten Unterschlupf sucht, nimmt das Chaos seinen irrwitzigen Lauf . . .

Joseph Kesselrings Stück aus dem Jahre 1939 ist seit seiner Erstaufführung am Broadway ein Klassiker unter den schwarzen Komödien und bietet ein Feuerwerk der Pointen und komischen Situationen. Aber Vorsicht, Theaterschaffende! Gute Komödien sind beileibe keine Selbstläufer, sondern benötigen eine punktgenaue Umsetzung.

Um so schöner, wenn diese so prächtig gelingt wie nun durch den Theater-Projektkurs des Grillo-Gymnasiums!

Unter der Leitung von Birte Noll und Malte Schael kamen zwei höchst vergnügliche und fesselnde Aufführungen am 19. und 22. Juni vor jeweils vollbesetzter Aula und begeistertem Publikum zustande.

Die Darsteller? Es ist nur schwer möglich, aus der textsicher und flüssig aufspielenden Truppe Einzelne hervorzuheben. Schon die ersten Trümpfe stechen: In den Hauptrollen verleihen Jenny Koliqi und Enya Kumpernas den Tanten Abby und Martha die passende Mischung aus fröhlich-schnattriger Schusseligkeit und entwaffnend offener Selbstgerechtigkeit, mit der sie ihre Morde als Wohltaten verherrlichen; Akin Cömert zeigt den Neffen Mortimer zwischen hochnäsiger Entschiedenheit und fassungsloser Verwirrung angesichts der zunehmenden Komplikationen, Atakan Kara spielt den Jonathan mit präziser Wucht und dem nötigen Hauch von Wahnsinn und Sarkasmus, Maria Radeta stellt als Jonathans Helfer einen komplex verwirrten Dr. Einstein auf die Bühne und Lina Adolphs verleiht dem Neffen Teddy genau die fröhlich trottelige Kindlichkeit, mit der er sich überzeugend für President Roosevelt im Kriegsgetümmel halten kann. Nadeshda Fursa spielt Mortimers Verlobte Elaine wunderschön klagend anhänglich und naiv hoffend – und auch die zweiten Rollen sind gewitzt besetzt und gespielt: die quirlige Dana Cecilia Ocana als Inspektor O‘Hara, Juri Fidora und Leon Plewka als Polizisten Brophy und Klein mit Grabesmienen, Dennis Drawert, Michelle Baez und Ilayda Durdu als potentielle und wiederauferstandene Mordopfer, Can Gültekin (am Dienstag) und Hami Yilmaz (am Freitag) als Officer Roony.

Last but certainly not least : Alle diese bemerkenswerten Einzelleistungen führten Frau Noll und Herr Schael souverän zu einer lebendigen, nahtlosen und damit höchst unterhaltsamen szenischen Umsetzung zusammen.

Auf keinen Fall zu vergessen: Die liebevolle und stimmige Ausstattung (Maske, Kostüme und Bühnenbild: Ilma Cisja, Ilayda Durdu, Seyda Imanci, Cana Ülker), sowie eine reibungslos arbeitende Technik (Finley Karczewski) trugen ganz wesentlich zum Gelingen dieser wunderbaren Aufführung bei.

Allen Mitwirkenden, die über viele Wochen und Monate für all das gemalt, gebastelt, auswendig gelernt, geprobt, geflucht und gelacht haben bei all ihrer Mühe und ihrem Spaß - ein ganz großes Dankeschön seitens der begeisterten Schulgemeinschaft!

Schade, dass es am Freitag schon die letzte Vorstellung war.

Standing ovations!

PS:

Es war leider nicht nur die letzte Vorstellung von Arsen und Spitzenhäubchen, sondern zunächst auch die letzte Aufführung unter der Leitung von Frau Noll und Herrn Schael. Nach vielen Extrastunden, Extranachmittagen, Extrawochenenden im „Probedienst“, jeder Menge Organisations- und Schreibarbeit – gönnen sich die beiden eine Schaffenspause.

Ein Extra-Dankeschön an sie für die Freude, die sie uns mit ihrer Arbeit bereitet haben.

Sd